Passivhaus: Ökologisch bauen und leben

Nachhaltiger wohnen im Passivhaus

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Lesedauer: 5 Minuten

Du möchtest nachhaltig bauen und wohnen? Du willst Deine Heizkosten reduzieren? Mit einem Passivhaus gelingt Dir genau das. Zudem sparst Du Dir die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Heizungsarten, denn ein Passivhaus funktioniert ganz ohne Heizung – allein durch Wärmerückgewinnung.

Das Passivhaus hat einen besonderen Aufbau, der es ihm ermöglicht, auf den Einbau einer Heizungsanlage zu verzichten. Doch wie genau sieht dieser Aufbau aus? Welche Förderungen zur Baufinanzierung oder Sanierung gibt es? Und welche Vor- und Nachteile hat ein Passivhaus? All das erfährst Du in diesem Beitrag.

Besonderheiten beim Passivhaus

Der Definition nach ist ein Passivhaus ein Gebäude, das keine zusätzlichen Energiequellen braucht, um für angenehme Temperaturen im Haus zu sorgen. Der Begriff ‚passiv‘ wird deshalb verwendet, weil der Aufbau des Passivhauses so konzipiert ist, dass es für den Wärmebedarf nur passive Energiequellen benötigt. Dazu zählen hierbei:

  • die Sonneneinstrahlung
  • die Abwärme von Personen und technischen Geräten

Durch die spezielle Bauweise und die Energieeffizienz werden sämtliche Heizkosten eingespart.

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Wärme ohne Heizung: Wie funktioniert’s?

Ein Passivhaus kann ebenso gut Behaglichkeit vermitteln wie ein Wohngebäude mit Kamin oder Zentralheizung. Der Heizwärmebedarf wird durch Wärmerückgewinnung gedeckt. Ein Passivhaus hat

  • keine Heizung.
  • eine besondere Belüftungsanlage, die Abluft nach außen leitet, aber die Wärme mithilfe eines Wärmetauschers zurück ins Haus führt.
  • eine spezielle Wärmedämmung durch eine komplett luftdichte Gebäudehülle und Wärmeschutzfenster.
  • eine Lüftungsanlage, über die Frischluft zugeführt wird.
  • Solaranlagen und Wärmepumpen.

Die Heizwärme wird durch einen Wärmetauscher ersetzt, der die Abwärme des Hauses nutzt, um die zugeführte Luft auf Zimmertemperatur zu erwärmen. Reicht die Abwärme nicht aus, kann im Notfall die Luft in den Austauschrohren durch eine elektrische Heizung zusätzlich erwärmt werden.

Die Bedeutung der Fenster

In einem Passivhaus spielen die Fenster eine wichtige Rolle für die Energieeffizienz:

  • Sie versorgen das Gebäude mit Sonnenenergie.
  • Sie verringern den Wärmeverlust.
  • Sie regulieren die Zimmertemperatur.

Die Fenster sind dreifach verglast und besitzen einen Rahmen mit speziellem Dämmkern. Dadurch garantieren sie eine optimale Dämmung, durch die Wärme zu-, aber nicht abgeführt wird.
Die Fenster zur Südseite hin bestehen aus großen Fronten, damit möglichst viel Wärme aufgenommen wird.

Nach Norden, Osten und Westen hin können kleinere Fenster eingesetzt werden.

Darf man im Passivhaus die Fenster öffnen?

Natürlich kannst Du bei einem Passivhaus genau wie bei einem konventionellen Gebäude die Fenster öffnen. Dies kann sogar zur Temperaturregelung beitragen, etwa wenn Du im Sommer das Schlafzimmer etwas kühler halten möchtest. Du kannst die Fenster die ganze Nacht offenlassen oder nach Belieben auf Kipp stellen.
Wird es im Sommer zu warm, schaffen Jalousien oder Rollläden vor den Fensterfronten im Süden effizient Abhilfe.

Tipp:

Neben den Fenstern kannst Du auch die Lüftungsanlage individuell einstellen, um die Temperatur im Haus zu regulieren.

Ist ein Passivhaus teurer als ein herkömmliches Haus?

Tatsächlich liegen die Baukosten für einen Neubau um 15 Prozent höher als bei einem konventionellen Wohnhaus. Auch die Sanierung eines Altbaus hin zum Passivhaus liegt im Schnitt um 12 bis 18 Prozent höher als bei einer üblichen Sanierung. Dennoch hat das Institut Stiftung Warentest nach eingehenden Untersuchungen festgestellt, dass nach circa 20 Jahren eine ‚Amortisierung‘, das heißt eine Tilgung sämtlicher Aufwendungskosten stattfindet. Dies mag zwar als lange Zeitspanne erscheinen, zahlt sich aber bei entsprechender Nutzungsdauer aus und schont zugleich die Umwelt.

Passivhaus Baukosten: Diese Kosten fallen zusätzlich an

Wenn Du ein Passivhaus baust, kommen neben den Baukosten noch andere Kosten dazu, die auf den ersten Blick weniger ersichtlich sind. Auch wenn Du bei einem Passivhaus Kosten für die Heizungsinstallation und Heizstoff einsparst, musst Du mit hohen Aufwendungen rechnen für

  • den Einsatz eines/einer zertifizierten Passivhaus-Planer:in.
  • die Anschaffung und Wartung der speziellen Technik.
  • die elektrische Energie (Technik für z. B. die Lüftungsanlage, Notfallheizung).
  • eine Gebäude-Zertifizierung.

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Wird ein Passivhaus Kfw gefördert?

2023 wurde ein Passivhaus noch gefördert, wenn es den Standard KfW 40 (= Klimafreundliches Wohngebäude) erreicht. Dann gab es für den Neubau 100.000 Euro je Wohneinheit.

Wichtig:

Jedoch gibt es im Bereich der KfW-Förderung immer viel Bewegung. Informier Dich am besten direkt auf der Website der KfW oder lass Dich bei Deiner Bank beraten, um auf dem aktuellen Stand zu sein.

Passivhaus Vor- und Nachteile

Ob ein Passivhaus für Dich infrage kommt, bedarf eines gründlichen Abwägens. Letztendlich ist neben dem ökologischen Aspekt und dem Heizkosteneinsparen bei einem Passivhaus auch die optimale Belüftung zu nennen, die Pollen, Staub und Schimmel wesentlich fernhält. Zu den Nachteilen des Passivhauses zählen jedoch neben den erhöhten Baukosten auch die notwendige kompakte Bauweise, die nicht jedermanns Gusto entspricht. Auch die Herstellung der speziellen Dämmstoffe ist nicht unbedingt immer ökologisch. Über einen langen Zeitraum gesehen lebst Du jedoch nachhaltiger und kannst nach 20 Jahren alle Anwendungskosten abdecken, so Stiftung Warentest.