Keller vollgelaufen – was tun?

So reagierst Du bei Überschwemmung im Keller

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Lesedauer: 9 Minuten

Wenn Dein Keller, beispielsweise nach einem extremen Unwetter, vollgelaufen ist, musst Du nach der Abklärung der Ursache schnell und mit den richtigen Maßnahmen reagieren. Das betrifft Mieter:innen genauso wie Eigenheimbesitzer:innen. Mit den richtigen Tipps bist Du vorbereitet und kannst Folgeschäden für das Gebäude sowie Menschen vermeiden. Wir geben Dir Ratschläge und Infos zur Vorbeugung gegen Kellerschäden, möglichen Versicherungsleistungen und der Kostenfrage bei Feuerwehreinsätzen.

Ursachen für eine Überschwemmung im Keller

Folgende Ursachen können für einen vollgelaufenen Keller verantwortlich sein:

  • Durch außergewöhnlich starke Gewitter gelangt manchmal relativ schnell das Regenwasser direkt in ein Gebäude.
  • In anderen Fällen fließt das Hochwasser aus einem großen Fluss oder einem kleineren Bach in der Nähe zum Keller.
  • Lichtschächte, Türen und Fenster bieten den Wassermassen häufig den Zugang zum Kellerraum.
  • Die Kanalisation kann ebenfalls der Ursprung eines vollgelaufenen Kellers sein.
  • In einigen Fällen drückt wiederum steigendes Grundwasser in das Untergeschoss eines Gebäudes.

Hochwasser: Checkliste für den Ernstfall

Sobald sich ein vollgelaufener Keller bemerkbar macht, musst Du die folgende Checkliste unbedingt in der richtigen Reihenfolge abarbeiten und im Zweifelsfall dafür professionelle Unterstützung beanspruchen:

  1. Sofortiger Notruf bei Risiko durch mögliche Stromschläge, Ertrinkungsgefahr oder freigesetzte Substanzen
  2. Strom sicher abstellen lassen
  3. Keller leerpumpen
  4. Beseitigung des Schlamms
  5. Aufräumarbeiten
  6. Sachgerechtes Trocknen
Tipp:

Neben diesen grundlegenden Schritten sind auch die Dokumentation des Schadens und eine zwischenzeitliche Absprache mit Versicherungen sowie Fachleuten wichtig. Du solltest im ständigen Austausch mit kompetenten Spezialist:innen bleiben.

Gefahrenquelle Strom

Während Dein Keller vollgelaufen ist, genießt die Sicherheit der Bewohner:innen ganz klaren Vorrang. Bevor Du an finanzielle Folgen und andere Probleme denkst, muss daher zunächst unbedingt der Strom abgestellt sein. Hierfür darfst Du Dich aber auf keinen Fall in Gefahr begeben. Solange Leitungen unter Strom stehen, drohen im überschwemmten Keller tödliche Stromschläge.

Wichtig:

Falls sich Dein Stromkasten im Kellerbereich befindet und dort bereits eine ernsthafte Überschwemmung entstanden ist, besteht auf dem Weg zum Kasten Lebensgefahr. Dann musst Du umgehend die Feuerwehr kontaktieren, um Dein Leben nicht zu riskieren. 

Neben drohenden Stromschlägen können auch freigesetzte Substanzen enorme Gefahren herbeiführen, sobald Dein Keller überschwemmt ist. Austretendes Heizöl ist dafür ein typisches Beispiel. Wenn Du Anzeichen für derartige Probleme bemerkst, musst Du ebenfalls ohne Verzögerung die Feuerwehr informieren.

Vorsicht vor dem Abpumpen des Wassers

Nachdem der Strom abgestellt ist und keine akute Gefahr mehr für Menschen besteht, kannst Du nicht immer bedenkenlos direkt den Keller leerpumpen. Das gilt vor allem bei einem hohen Außenwasserstand, der von außen einen starken Druck auf die Kellerwände ausübt. Dann führt das Abpumpen möglicherweise zu Rissen im Mauerwerk. Im Extremfall werden nach diesem Fehler durch ein Hochwasser im Keller sogar die Wände eingedrückt.

Tipp:

Du kannst abpumpen, sobald der Wasserstand im Haus im Vergleich zum gesunkenen Außenwasserstand höher ist. Davor lässt sich die Zeit dafür nutzen, mit Fotos und einer ausführlichen Beweisführung den Schaden zu dokumentieren.

Geringfügige Überschwemmungen im Keller

Wenn der Keller vollgelaufen ist und sich die Wassermassen in Grenzen gehalten haben, genügen Dir oft handelsübliche Pumpen aus Baumärkten oder dem Fachhandel für die Behebung des grundlegenden Problems. Eventuell reichen sogar ein Eimer und Lappen, falls lediglich wenig Wasser in den Kellerräumen verblieben ist. Sobald eine sichere Beseitigung der Flüssigkeit möglich ist, solltest Du schnell vorgehen. Dadurch vermeidest Du, dass die Feuchtigkeit tief in Oberflächen eindringt.

Vor allem die folgenden Komponenten im Keller saugen sich zügig mit Wasser voll, wenn Du nicht schnell reagierst:

  • Dämmungen
  • Trockenbau-Elemente
  • Holz
Wichtig:

Du solltest auch den Schlamm rasch beseitigen. Sonst entsteht eine feste und schwere Masse, die sich kaum noch entfernen lässt. Sobald Wasser in den Kellerräumen wieder abfließen kann, darfst Du Schlammreste in vielen Fällen vorsichtig wegspritzen. 

Trocknen und Aufräumen

Wenn Du den Keller trocknen und aufräumen möchtest, lassen sich nicht alle Materialien retten. Vor allem die folgenden Komponenten werden bei zu starker Feuchtigkeit nachhaltig beschädigt und müssen deshalb nach einer schwierigen Abwägung mit Beratung durch Fachleute eventuell entsorgt werden:

  • Tapeten
  • Fußböden
  • Gipskartonplatten

Nachdem die Dämmung feucht geworden ist, brauchst Du für eine sachgerechte Trocknung in der Regel Fachleute. Ansonsten droht Schimmel. Bei einem Estrich ist es für effektives Trocknen manchmal notwendig, fachkundig den Boden anzubohren. Nur in unkomplizierten Fällen besteht im Anschluss an eine Überschwemmung im Keller die Option, geeignete Trockengeräte selbst anzuwenden.

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Wasserschäden im Keller vorbeugen

Mit variantenreichen Maßnahmen zur Vorbeugung vermeidest Du vor dem eintretenden Ernstfall oft größere Wasserschäden in den Kellerräumen. Auch Mieter:innen können hierzu einen Beitrag leisten und davon profitieren, falls später der Keller vollgelaufen ist. Das gilt insbesondere bei der Zusammenstellung der Einrichtung. Du solltest bei einem hohen Risiko für eine Überschwemmung im Keller ausschließlich leicht bewegliche Möbel aufstellen. Hierdurch lassen sich Kleinmöbel nach den ersten Hochwasser-Anzeichen schnell in Sicherheit bringen.

Zudem verursacht ein vollgelaufener Keller unter anderem durch die folgenden Tipps zur Vorbeugung geringere Schäden:

  • Eine Rückstau-Sperre verhindert bei hohen Wasserständen in der Kanalisation, dass schmutziges Abwasser aus den Rohren sprudelt.
  • Du erhöhst den Schutz durch eine fachgerechte Kellerabdichtung mit Bitumen- und Kunststoffbahnen.
  • In besonders gefährdeten Gebieten steht im Idealfall immer direkt eine Pumpe im Haus bereit, falls der Keller überschwemmt.
  • Mit Dammbalken sowie speziellen Einsätzen an Fenster- und Türöffnungen sorgst Du bei hohen Wasserständen für verstärkten Schutz.
  • Stromverteiler, Heizungen und Telefoninstallationen solltest Du möglichst in den oberen Geschossen installieren lassen.
  • Entscheide Dich im Kellerbereich bevorzugt für wasserbeständige Baustoffe, die im Ernstfall nicht empfindlich reagieren.

Unterschiedliche Versicherungen

Ob eine Versicherung Dich nach einer Überschwemmung im Keller mit Leistungen unterstützt, hängt vom gewählten Versicherungsmodell ab. Die folgenden Varianten unterscheiden sich mit dem jeweiligen Leistungsumfang erheblich:

  • Gebäudeversicherung mit enthaltener Überschwemmungsversicherung: Eine derartige Versicherung zahlt üblicherweise lediglich, falls das Wasser von außen in den Keller eingetreten ist. Im Normalfall versicherst Du mit der Gebäudeversicherung ausschließlich Gebäudeschäden.
  • Elementarschadenversicherung: Diese Versicherung hilft ebenfalls, nachdem Wasser von außen in den Keller eingelaufen ist. Sobald wegen eines Rückstaus der Starkregen in das Gebäude gelangt, kommt eine typische Elementarschadenversicherung in der Regel auch für Schäden auf.
  • Hausratsversicherung mit ergänzendem Elementarschaden-Baustein: Durch diese Variante hast Du die Möglichkeit, Dich vor einem Hochwasser im Keller gegen Schäden an beweglichen Dingen abzusichern.

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Abgesichert mit der R+V

Mit der Hausratversicherung classic und Hausratversicherung comfort der R+V bist Du bei Überschwemmung abgesichert.

Tipp:

Achte im Detail auf die individuellen Versicherungsbedingungen, um die Absicherung für alle genannten Versicherungsfälle sicherzustellen. Manche Tarife kombinieren verschiedene Versicherungsvarianten und bieten Dir somit einen besonders umfassenden Schutz, wenn der Keller vollgelaufen ist und der Ernstfall eintritt. Ein Beratungsgespräch mit Fachleuten hilft Dir auf der Suche nach dem idealen Versicherungspaket für Deinen persönlichen Einzelfall.

Im Ernstfall erhöhst Du die Chancen auf Versicherungsleistungen, indem Du Dich direkt mit den zuständigen Versicherungsleuten absprichst. Damit vermeidest Du folgenschwere Fehler. Wer zum Beispiel ohne Absprache nach einer Überschwemmung aufräumt und damit eine Beweisführung erschwert, verliert unter bestimmten Voraussetzungen die Versicherungsansprüche.

Kosten für Feuerwehreinsatz als Risiko

Falls Du durch einen Feuerwehreinsatz einen vollgelaufenen Keller leerpumpen lässt, musst Du möglicherweise die Kosten des Einsatzes bezahlen. Eine Kostenübernahme wird immer individuell abgeklärt. Dabei stellt sich in erster Linie die Frage, ob eine Notsituation vorliegt und deshalb die Chance auf eine kostenlose Daseinsvorsorge der Feuerwehr besteht. Ein kostenfreier Feuerwehreinsatz ist beispielsweise unter den folgenden Voraussetzungen wegen eines Notstands denkbar, während ein Keller überschwemmt ist:

  • Lebensgefährliche Situationen
  • Ernsthafte Gefahr für die Gesundheit eines Menschen
  • Bedrohung der lebenswichtigen Versorgung für die Bevölkerung

Sobald derartige Gefahren tatsächlich einen Einsatz der Feuerwehr zwingend notwendig machen, bleibst Du im Idealfall nicht auf den Kosten sitzen. Nachdem gewöhnlicher Starkregen in ein Haus eingedrungen ist, führt ein vollgelaufener Keller aber selten zu derartigen Situationen. Insofern komplette Landstriche vom Hochwasser betroffen sind, rechtfertigt normalerweise ein echter Notstand einen kostenlosen Feuerwehreinsatz.

Tipp:

Die Handhabung in den Gemeinden beeinflusst häufig die Chancen auf kostenfreie Unterstützung der Feuerwehr. Daher solltest Du im Zweifelsfall die verantwortlichen Behörden vor Ort kontaktieren. Wer auf den Kosten sitzen bleibt, erhält am Ende eine ausgestellte Rechnung der zuständigen Stadt oder Gemeinde.