Selbstständig machen

So meisterst Du Hürden bei der Firmengründung

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Lesedauer: 7 Minuten

Selbstständig zu sein, bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – es bietet aber auch eine große Bandbreite von Freiheiten, die Angestellte nicht haben. Menschen werden aus verschiedensten Gründen zu Firmengründer:innen. Einige möchten schlicht unabhängig sein und sich niemandem unterordnen. Andere wollen unbedingt eine zündende, innovative Geschäftsidee umsetzen. Ein Unternehmen aufzubauen, ist zwar alles andere als einfach. Mit der richtigen Planung ist die Unternehmensgründung aber auch kein Hexenwerk. Den ersten Schritt in die richtige Richtung machst Du gerade: Du informierst Dich.

Erster Schritt zur Selbstständigkeit: die Ideenfindung

Wenn Du selbstständig werden willst, brauchst Du Ideen. Nichts ist so wichtig, wie ein belastbares Geschäftskonzept. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du ein bereits existentes Konzept übernimmst oder eine nie da gewesene, hochinnovative Idee umsetzt. Was zählt, ist, ob Du mit Deinem Einfall finanziell erfolgreich sein kannst.
Entscheidend ist dabei unter anderem, wie viel Eigenkapital Du beisteuern kannst und wie hoch die Einstiegshürden und der Wettbewerb in der jeweiligen Branche sind.

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Wie viel Startkapital benötigen Start-ups?

Es ist definitiv empfehlenswert, sämtliche wichtige Ausgaben in einem Finanzplan zusammenzufassen. Darunter fallen Punkte wie:

  • Gründungskosten
  • Bürokosten
  • Inventarkosten
  • Software & Lizenzen
  • Markenanmeldung beim Deutschen Patent- und Markenamt (290 Euro bei Online-Anmeldung, ggf. Aufschläge für weiteren Schutz)
  • Handelsregisteranmeldung (70 Euro)
  • Handelsregistereintragung (ca. 200-500 Euro)
  • Beurkundung von Gründungszeugnissen durch eine:n Notar:in (ca. 250 Euro)

Zu den Gründungskosten gehört darüber hinaus die Gewerbeanmeldung. Wenn Du ein Geschäftskonzept gefunden hast, musst Du Deinen Betrieb beim zuständigen Gewerbeamt melden. Die Kosten für die Gewerbeanmeldung variieren von Stadt zu Stadt. Für die Anmeldung und den Erwerb eines Gewerbescheins musst Du zwischen 10-65 Euro einplanen. Die Ausgaben für eine Gewerbekarte bewegen sich zwischen 80-250 Euro. Vorher solltest Du außerdem klären, welche Rechtsform die richtige für Dein Vorhaben ist. Je nach Unternehmensform variieren auch die Kosten. Möchtest Du Dich beispielsweise alleine selbstständig machen, bietet sich die Form des Einzelunternehmens an. Bildest Du dagegen mit anderen Gründer:innen ein Team, kannst Du wählen zwischen Personengesellschaften, GmbHs, OHGs und weiteren.

Info:

Sinnvoll kann es auch sein, sich nebenberuflich selbstständig zu machen. In diesem Falle bist Du von verschiedenen Steuerlasten befreit. Das Jahreseinkommen einer nebenberuflich selbstständigen Tätigkeit ist bis zu 410 Euro steuerfrei. Bis zu 820 Euro im Jahr werden wegen des Härteausgleichs nicht voll besteuert.

Wie viel Startkapital Du tatsächlich benötigst, ist stark abhängig von der Branche, in der Du gründen möchtest. Für eine Agentur musst Du weniger Budget kalkulieren als für die Eröffnung eines neuen Restaurants. Die Gründung eines einfachen Einzelunternehmens kann bereits mit 1.000-2.000 Euro erfolgen. Für die Gründung einer Kapitalgesellschaft hingegen belaufen sich die Kosten auf rund 15.000 Euro. Hinzu kommt, je nach Unternehmensform, auch das erforderliche Stammkapital (notwendige Einlagen zum Schutz der Gläubiger).

Selbstständig machen ohne Eigenkapital – ist das möglich?

Sich ohne Eigenkapital selbstständig zu machen, ist zwar schwierig, aber möglich. In diesem Fall musst Du auf Kredite von Banken oder privaten Geldgebern zurückgreifen. Banken verlangen Sicherheiten in Form von pfändbaren Vermögen oder Bürgschaften. Wenn eine Geschäftsidee extrem erfolgsversprechend ist, kann es aber auch sein, dass die Kreditgeber auf entsprechende Forderungen verzichten.

Auf welche Steuern solltest Du achten?

Für Selbstständige sind in erster Linie die folgenden Steuerarten relevant:

  • Einkommenssteuer
  • Gewerbesteuer
  • Umsatzsteuer
  • Körperschaftsteuer

Die Einkommenssteuer betrifft Dein Einkommen – also den Gewinn abzüglich Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen Deines Unternehmens.
Die Steuer fällt allerdings nur bei Einkünften oberhalb einer Grenze von 11.604 (netto) an (Stand 2024). Gewinne unterhalb dieser Grenze werden nicht besteuert. Falls Du mehr verdienst, musst Du mit Steuersätzen zwischen 14 und 42 Prozent rechnen – je nach Höhe des Einkommens.
Um die Einkommenssteuer zu berechnen, kannst Du den Einkommenssteuer-Rechner auf der Website des Bundesministeriums für Finanzen nutzen.

Die Gewerbesteuer betrifft ebenfalls Deinen Gewinn. Sie fällt für Unternehmen an, deren Gewinn über 24.500 Euro (netto) (Stand 2021) liegt. Dieser wird mit der Steuermesszahl 3,5 Prozent und einem Hebesatz multipliziert. Der Satz variiert je nach Standort des Unternehmens.

Die letzte wichtige Steuer ist die Umsatzsteuer. Bei dieser liegt der Freibetrag bei 22.000 Euro. Firmen, deren Umsatz niedriger ist, gelten als Kleinunternehmen und sind von der Abgabe einer Umsatzsteuererklärung befreit.

Tipp:

Weise bei Rechnungen unbedingt darauf hin, dass Du als Kleinunternehmer:in von der Steuer befreit bist. Diese Information bezieht sich auf § 19 des Umsatzsteuergesetzes und gehört für Kleinunternehmer:innen zu den Pflichtangaben auf Rechnungen.

Welche Versicherungen sind wichtig?

Neben den Themen Steuern und Finanzierung solltest Du – wenn Du Dich selbstständig machen willst – auch über notwendige Versicherungen Bescheid wissen. Welche betrieblichen Risiken es abzudecken gilt, hängt in erster Linie von Deinem Geschäftsmodell ab.
Am Anfang ist es sinnvoll, sich auf die wichtigsten persönlichen Versicherungen zu konzentrieren. Diese sind:

  • Krankenversicherung
    Krankenversicherungen sind in Deutschland Pflicht. Hier kannst Du zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen.
    Letztere bietet den Vorteil, dass Du Kosten und Leistungen flexibel anpassen kannst.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)
    Berufsunfähigkeitsversicherungen greifen, wenn Du aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr arbeiten kannst. Ist die Belastung irgendwann zu hoch, kann es sein, dass Du frühzeitig aus dem Berufsleben aussteigen musst. Die Versicherung ersetzt das regelmäßige Einkommen.
  • Rentenversicherung
    Bestimmte Berufsgruppen wie Handwerksmeister:innen, Publizist:innen oder Künstler:innen sind verpflichtet, in das Rentenversicherungssystem einzuzahlen. Selbstständige im Allgemeinen müssen eine private Rentenversicherung abschließen. Vergleiche Versicherungen, um Dich im Alter abzusichern.

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Checkliste für eine erfolgreiche Unternehmensgründung

  • Suche eine erfolgreiche und innovative Geschäftsidee
  • Führe eine Zielgruppen- und Wettbewerbsanalyse durch
  • Ermittle Dein vorhandenes Startkapital
  • Finde einen passenden Firmennamen
  • Entscheide Dich für eine Unternehmensform
  • Schütze Deine Idee durch eine Markenanmeldung
  • Recherchiere, welche Gründerkredite es gibt
  • Melde Dein Start-up beim Finanzamt und Gewerbeamt an
  • Führe die Handelsregistereintragung durch
  • Erstelle einen stichhaltigen Businessplan mit Finanzplan
  • Formuliere ein überzeugendes Marketingkonzept
  • Suche Dir Geldgeber und Investor:innen
  • Überlege, welche Versicherungen Du als Selbstständige:r langfristig für Dein Unternehmen brauchst

Selbstständig machen mit guter Planung

Je umfassender Du Dich über die verschiedenen Stationen im Gründungsprozess und die einhergehenden Hindernisse informierst, desto wahrscheinlicher ist es, dass Du Erfolg hast. Selbstverständlich ist nicht jeder Teilaspekt planbar. Aber wenn Du Dich gründlich vorbereitest, kannst Du die Risiken bei der Existenzgründung minimieren.

Auch Deine persönliche Entwicklung solltest Du dabei nicht außer Acht lassen. Arbeite gezielt an Deinen Soft Skills und knüpfe Kontakte.
Nur so kannst Du langfristig den Erfolg Deines Start-ups sichern.