Geldpolitik
So steuert die EZB Geldfluss und Wirtschaftslage
Aktuell (09.2025) liegt die Inflationsrate in Deutschland bei 2,4 Prozent. Die Teuerung hat sich also seit den massiven Preissteigerungen vom Frühjahr 2022 wieder auf einem moderaten Level eingependelt. Du fragst Dich, welche Maßnahmen die Europäische Zentralbank ergreift, um für Preisstabilität im Europäischen Wirtschaftsraum zu sorgen? Du willst wissen, wie die Geldpolitik der EZB eigentlich funktioniert? Wir erklären Dir die Instrumente und Strategien der Europäischen Zentralbank.
Die EZB ist die größte Verwaltungseinheit der europäischen Geldpolitik. Dabei stehen ihr verschiedene Mittel zur Verfügung, um den Geldfluss in Europa zu gewährleisten. In der Vergangenheit hatte sie den Kurs der expansiven Geldpolitik gewählt. Kürzlich entschied sich die EZB aber für einen restriktiven Weg. Was das bedeutet und wie sich dieses Umschwenken auswirkt, erfährst Du in unserem Artikel.
Aufgaben der Geldpolitik
Die Geldpolitik wird als die Gesamtheit aller Maßnahmen definiert, mit denen die Zentralbank den Geldumlauf und die Geld- und Kreditversorgung der Wirtschaft steuert. Bis Ende 1998 wurden das Geld und die Geldpolitik in der BRD durch die Deutsche Bundesbank kontrolliert. Seit Anfang 1999 wird die Geldpolitik im Euro-Raum von der EZB (Europäischen Zentralbank) ausgehend gesteuert.
Welches Hauptziel verfolgt die Europäische Zentralbank bei ihrer Geldpolitik?
Das Hauptziel der EZB ist die Erhaltung der Preisniveaustabilität. Diese setzt sich zusammen aus:
- der Erhaltung des Geldwertes innerhalb der Volkswirtschaft
- der Stabilität der Kaufkraft des Geldes nach außen
Die aktuelle Geldpolitik der EZB strebt eine Inflationsrate von 2 Prozent an. Dadurch soll aktuell die Preisstabilität am besten gewährleistet sein. Die Hauptaufgabe der EZB ist die Steuerung der umlaufenden Geldmenge. Die Geldmenge muss einerseits so knapp sein, dass das Geld nicht an Wert verliert, andererseits muss aber eine ausreichende Versorgung der Wirtschaft mit Geld gewährleistet sein, um sämtliche Finanzgeschäfte abwickeln zu können. Dieses Gleichgewicht kann die EZB durch verschiedene Instrumente aufrechterhalten.
Instrumente der EZB – Geldpolitik einfach erklärt
- Zinspolitik:
Sie beschreibt die Maßnahmen zur Veränderung des Zinsniveaus. Dadurch kann sie die Nachfrage nach Investitionskrediten bei der Bank steuern. Eine Folge der expansiven Geldpolitik war beispielsweise die Niedrigzinsphase, die von 2008 bis 2022 andauerte.
- Liquiditätspolitik:
Die Liquidität der Geschäftsbanken kann durch eine Änderung der Mindestreservesätze und der Zinssätze für Refinanzierungsgeschäfte gesteuert werden. Bei Mindestreserven handelt es sich um Pflichtguthaben, die Kreditinstitute gesetzlich bei ihrer Zentralbank unterhalten müssen. Erhöht sich der Satz, haben Zentralbanken mehr und Geschäftsbanken weniger Liquidität zur Verfügung.
- Offenmarktgeschäfte:
Indem die Zentralbank Wertpapiere am Geld- oder Kapitalmarkt an- und verkauft, kann sie die Geldmenge und die Kosten für Kredite in der Volkswirtschaft steuern.
- Mindestreservepolitik:
Durch die Änderung des Anteils von Kundeneinlagen der Banken und Sparkassen bei der Zentralbank kann auch hier die Geldmenge gesteuert werden. Je höher der Mindestreservesatz, desto knapper die umlaufende Geldmenge.
- Ständige Fazilitäten:
Die EZB kann den Geschäftsbanken verschiedene Formen von Krediten zur Refinanzierung anbieten, um die Geldmenge der Banken zu steuern.
- Forward Guidance:
Bei diesem Instrument der Geldpolitik handelt es sich um die Mitteilung von finanziellen Maßnahmen der EZB. Diese beeinflussen die Zentralbanken, wodurch diese wiederum zu bestimmten Handlungsweisen veranlasst werden.
Wie trifft die Nationalbank ihre geldpolitischen Entscheidungen?
Die Nationalbank oder auch Zentralbank entspricht in Deutschland der Deutschen Bundesbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie ist Bestandteil des Europäischen Systems der Zentralbanken und unterstützt demnach die Geldpolitik der EZB bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Außerdem verwaltet die Bundesbank die Währungsreserven der Bundesrepublik und reguliert die bankmäßige Abwicklung des Inlands- und Auslandszahlungsverkehrs.
Der Rat der EZB tagt ebenfalls in Frankfurt, wo auch die EZB ihren Sitz hat. An dieser nimmt der Präsident der Deutschen Bundesbank als unabhängiger Vertreter Deutschlands teil.
Auf internationaler Ebene können Banken nicht alleine entscheiden, sondern sind an den EZB-Rat gebunden. Zur Vorbereitung geldpolitischer Entscheidungen stützt sich die Deutsche Bundesbank auf volkswirtschaftliche und monetäre Analysen und Prognosen.
Geldpolitische Maßnahmen gegen die Folgen von Krisen
Um den Folgen der Pandemie seit 2020 sowie der Gas-Krise seit 2022 (bedingt durch den Ukraine-Russland-Konflikt) auf die Wirtschaft entgegenzuwirken, waren bald Maßnahmen der EZB gefragt. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie hatten zu einer Angebotsverknappung in bestimmten Bereichen und so zu einem Anstieg der Preise geführt. Länger als die amerikanische FED hatte EZB-Chefin Christine Lagarde an der Einschätzung festgehalten, dass die Inflation ein vorübergehendes Phänomen sei. Aufgrund des Ukraine-Russland-Konfliktes stieg die Inflationsrate jedoch weiter drastisch an.
Daraufhin wechselte die EZB von einem expansiven zu einem restriktiven Kurs: Damit wurden die zirkulierende Geldmenge verringert und der Zinssatz deutlich erhöht. Der Ausstieg aus den Negativzinsen war eingeläutet, als die EZB die Leitzinssätze ab Juli 2022 schrittweise auf schließlich 4 Prozent (2023) erhöhte. Gesenkt wurden sie erstmals im Juni 2024 wieder, um die Inflationsrate auf dem gewünschten Wert von ca. 2 Prozent zu halten.
Geldpolitik für Preisstabilität im gesamten Euro-Raum
Zwischenzeitlich waren die Tilgungsbeträge der im Rahmen des APP (Asset Purchase Programme, dt. Ankauf von Vermögenswerten) durch die EZB erworbenen Wertpapiere wieder angelegt worden. Dies galt auch für jene Wertpapiere aus dem zeitlich begrenzten Pandemie-Notfallankaufprogramm in Höhe von 1,85 Billionen Euro, das im März 2020 angelegt wurde. Diese sollten flexibel wieder angelegt werden, um pandemiebedingten Risiken für den Transmissionsmechanismus entgegenzuwirken. Mittlerweile werden die Bestände dieser Wertpapiere verringert und die Tilgungsbeträge nicht erneut angelegt.
Die EZB hatte außerdem mit dem TPI – kurz für Transmission Protection Instrument – ein Instrument zur Absicherung der Transmission eingerichtet, um zu gewährleisten, dass der geldpolitische Kurs in allen Ländern des Euro-Raums einheitlich umgestetzt wird. Schließlich ist die Einheitlichkeit die Grundvoraussetzung für Preisstabilität. Dieses Instrument der EZB sollte ein zu starkes Auseinanderdriften bei den Zinssätzen der einzelnen EU-Staaten verhindern.
Mit dem TPI ist die EZB schließlich fähig, Wertpapiere von jenen Ländern am Sekundärmarkt zu kaufen, in denen sich die Finanzierungsbedingungen verschlechtert haben. Es ist also ein Instrument zur Balancierung aller EU-Staaten, um weitere finanzielle Ausscherungen zu verhindern. Die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte, die im Rahmen der expansiven Geldpolitik angeboten wurden, werden von der EZB unter Beobachtung gehalten, damit sie die Transmission nicht gefährden.
Refinanzierungsgeschäfte sind ein wichtiges Werkzeug der Zentralbanken, um in den Kapitalmarkt steuernd eingreifen zu können. Die Zentralbank gibt den Geschäftsbanken Kapital für eine festgelegte Zeit und zu einem fixen Zinssatz. Die Geschäftsbanken verleihen dieses Geld in Form von Darlehen und Krediten an ihre Kund:innen. So beeinflussen die Zinsen der Zentralbank auch die Zinssätze der Banken.
Zukunftsprognose zur Geldpolitik der EZB
Der EZB-Rat hat im Oktober erneut beschlossen (siehe Erklärung zur Geldpolitik vom 30. Oktober 2025), die Leitzinssätze unverändert zu belassen. Im Einzelnen sind dies der Einlagenzins, der Hauptrefinanzierungszins und der Spitzenzinssatz. Damit soll erreicht werden, dass die Inflationsrate sich weiterhin nahe dem Zielwert von 2 Prozent einpendelt. Für die kommenden Jahre erwartet die EZB insgesamt ein moderates, aber stetiges Wirtschaftswachstum.
Derzeitige Herausforderungen sind höhere Zölle, ein verschärfter internationaler Wettbewerb und volatile Handelsbedingungen. Dies belastet vor allem Exporte und damit in erster Linie das produzierende Gewerbe. Das moderate Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent im dritten Quartal 2025 wurde hauptsächlich durch den Dienstleistungssektor, insbesondere im Tourismus und digitalen Dienstleistungen, angetrieben.
Wirtschaft stabilisieren
Erfreulich ist, dass die Arbeitslosenquote im EWR nach wie vor vergleichsweise niedrig ist und die Menschen daher Geld für den privaten Konsum zur Verfügung haben, was wiederum die Wirtschaft ankurbeln soll. Damit Europa auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt, ist es nach Auffassung des EZB-Rats wichtig, dass die nationalen Regierungen zeitnah Maßnahmen wie Strukturreformen und gezielte Investitionen vorantreiben, die das wirtschaftliche Wachstum stärken. Gleichzeitig werden solide Staatsfinanzen angemahnt.