Partnerschaft & Finanzen

Wie Sie finanzielle Unabhängigkeit erlangen

Wenn es um Finanzen, Finanzprodukte und die Börse geht, winken viele Menschen ab. Es ist zu langweilig, zu komplex oder es besteht schlicht kein Interesse an der Materie. Und so überlassen viele das Thema ihrem Partner und machen sich damit abhängig. Das ist ein großer Fehler, der sich in Form einer klaffenden Rentenlücke und dem Abrutschen in die Altersarmut rächen kann. Aber das muss nicht sein. Mit unseren Finanztipps nehmen Sie Ihre finanzielle Unabhängigkeit selbst in die Hand.

Risiko Altersarmut

Laut der Deutschen Rentenversicherung beträgt die Monatsrente von Frauen in den alten Bundesländern 928 Euro. Dem gegenüber stehen 622 Euro in den neuen Bundesländern. Männer bekommen 1.198 Euro bzw. 1.095 Euro Rente. Fairerweise sei hier jedoch darauf hingewiesen, dass die Lebenshaltungskosten in den neuen Bundesländern auch niedriger sind als in den alten Bundesländern.

Besonders drastisch wirken diese Zahlen dennoch, wenn wir einmal auf das Risiko für Altersarmut schauen. In Bayern etwa galten im Jahr 2019 81 Prozent aller Frauen und 45 Prozent aller Männer als bedroht, später in Altersarmut abzurutschen. Aber warum ist das so? Für diese Entwicklung gibt es eine ganze Reihe an Ursachen. Diese erstrecken sich quer über die Themen Familienplanung, Berufswahl und Interesse am Thema Vermögensaufbau:

1. Teilzeitfalle durch Familienplanung

Sobald das erste Kind das Licht der Welt erblickt, wechseln viele Menschen in die Teilzeiterwerbstätigkeit. Da die Familie in diesem Kontext häufig Vorrang hat, blenden viele Berufstätige die dadurch entstehende Rentenlücke aus. Denn: Wer weniger volle Erwerbsjahre auf dem Rentenkonto hat, bekommt auch weniger Rente.

Dabei gilt: Je länger die Teilzeitlücke, desto größer die finanziellen Einbußen. Nicht selten verharren Menschen über Jahrzehnte in der Teilzeitfalle. Auch die Inanspruchnahme von Elternzeit fällt in diese Kategorie. Wie sich dieses Problem lösen lässt, dazu an geeigneter Stelle mehr.

2. Arbeit in schlecht bezahlten Jobs

Dies ist eine Wahrheit, die sich nicht leugnen lässt. Einige Menschen arbeiten in eher schlecht bezahlten Berufen. Das wirkt sich über Jahrzehnte drastisch auf die gesetzliche Rente und die Möglichkeiten zum Vermögensaufbau aus. Wir zeigen Ihnen, wie Sie beides trotzdem unter einen Hut bringen können.

3. Gehaltslücke bei gleicher Arbeit

Gleiches Geld für gleiche Arbeit. Diese Forderung ist mehr als berechtigt. Seit einigen Jahren wird sie in vielen Bereichen glücklicherweise zunehmend Realität. Allerdings ist es manchmal auch von Ihrem Verhandlungsgeschick abhängig, wie viel Geld Sie für Ihre Arbeit verdienen.

4. Geld ist Männersache

Diese leider immer noch verbreitete Ansicht stellt ein zusätzliches Problem speziell für Frauen dar. Zum Glück ändert sich das aber vor allem in der jungen Generation bereits deutlich. Denn eigentlich sollten alle Frauen ihre Geldanlage selbst in die Hand nehmen. Eine Studie unter 60.000 Kunden einer bekannten Investmentplattform ergab im Jahr 2015 nämlich, dass Frauen die besseren Anleger sind. In guten Marktjahren erzielten sie im Durchschnitt 0,4 Prozent mehr Rendite pro Jahr als Männer.

Damit aber noch nicht genug, denn in schlechten Börsenjahren machten sie mit durchschnittlich 2,5 Prozent deutlich weniger Verluste als die Männer. Hier waren es rund 4 Prozent. Die Lösung des Rätsels: Frauen gehen solche Vorhaben vorsichtiger, strukturierter und mit weniger Bereitschaft zu schlecht kalkulierbaren Risiken an.

Finanzielle Unabhängigkeit: Darum sollten Sie Partner und Finanzen trennen

Sie kennen den Spruch „Bei Geld hört die Freundschaft auf“? Dieser lässt sich auch eins zu eins auf eine Partnerschaft übersetzen. So groß die Liebe auch ist, es besteht keine Garantie, dass diese auch bestehen bleibt. Wer sich hier obendrein auch noch finanziell an seinen Partner bindet, hat nach einer Trennung meist schlechte Karten.

Einmal ganz davon abgesehen, dass Ihnen finanzielle Unabhängigkeit durch geeignete Finanzprodukte und eine strukturierte Altersvorsorge eine völlig neue Lebensqualität bietet. Letztlich sind Sie als Mensch ein Individuum, das allein völlig frei bestimmen sollte.

Tipp:

Nur weil die Konten getrennt sind, bedeutet das noch lange nicht, dass dies einen negativen Einfluss auf eine Partnerschaft haben muss. Ganz im Gegenteil: Sind beide Partner finanziell unabhängig voneinander, spielt das hierzulande so beliebte Streitthema Geld in Partnerschaften eine deutlich geringere Rolle.

Finanztipps – Partnerschaft und Finanzen unter einen Hut bekommen

  • Berufstätige sollten die Elternzeit mit ihrem Partner gerecht aufteilen. So könnten beide Partner etwa jeweils ein halbes Jahr Elternzeit nehmen.
  • Wenn möglich, stimmen Sie Ihre Arbeitszeiten so aufeinander ab, dass Vollzeitarbeit für beide trotz Kinderbetreuung kein Problem ist.
  • Fallen Sie beruflich länger durch Elternzeit, Kinderbetreuung oder Mutterschutz aus, ist es nur fair, wenn Ihr Partner diese Ausfallzeiten durch das Einzahlen in ein entsprechendes Rentenversicherungsprodukt kompensiert.
  • Sofern Sie nicht bereits ohnehin ein eigenes Konto besitzen: Richten Sie eines ein und trennen Sie Ihre persönlichen Finanzen strikt von den gemeinsamen Finanzen und denen Ihres Partners.
  • Schließen Sie einen Partnerschaftsvertrag ab, der finanzielle Dinge im Falle einer Trennung regelt. Während Verheirateten bei einer Scheidung ein Versorgungs- und Zugewinnausgleich zusteht, gehen Unverheiratete sonst leer aus.
  • Binden Sie sich längerfristig, sollten Sie als Paar gemeinsam einen Lebensplan aufstellen, der auch das Thema Altersvorsorge umfasst. Verfahren Sie nach dem „Was-passiert-wenn“-Prinzip und legen Sie für alle Eventualitäten einen Finanzplan in Ihre Schublade.

Optimaler Start für Vermögens- und Altersvorsorge

Der schwerste Schritt, um sein Geld in die eigenen Hände zu nehmen, ist das Anfangen. Das liegt häufig an der Einstellung, dass ohnehin zu wenig Geld zum Zurücklegen und Investieren da sei. Das ist allerdings ein echter Trugschluss. Um zu beginnen, müssen Sie keine Aktienliteratur lesen oder sich in Renditemodelle einarbeiten. Der Weg zur finanziellen Freiheit beginnt im Alltag.

Schritt eins betrifft das Einrichten eines oder besser noch von zwei Konten neben Ihrem Girokonto. Bei einem Konto handelt es sich um ein Tagesgeldkonto, auf dem Sie Ihre „Eiserne Reserve“ parken und Schritt für Schritt aufbauen. Diese Reserve ist Ihr Notgroschen und wird lediglich in Notfällen angetastet, wenn beispielsweise das Auto dringend repariert werden muss oder Sie eine kürzere Arbeitslosigkeit überbrücken müssen.

Auf Sicht sollte dieses Konto auf mindestens zwei bis drei Nettomonatsgehälter anwachsen. Beim zweiten Konto handelt es sich um ein weiteres Girokonto, auf das alles Geld fließt, das Sie zum Beispiel zum Investieren an der Börse nutzen möchten.

Bezahlen Sie sich immer zuerst

Damit das Ganze funktioniert, besparen Sie beide Konten nach dem „Pay-yourself-first-Prinzip„. Dahinter steckt ein selbst eingerichteter Sparplan. Dazu legen Sie für den Tag, an dem Ihr Gehalt üblicherweise auf Ihrem Gehaltskonto landet, jeweils eine Terminüberweisung als Dauerauftrag an. Damit ist garantiert, dass ein bestimmter Betrag jeweils zum von Ihnen bestimmten Termin auf das „Reservekonto“ und das „Investitionskonto“ fließt. Der Vorteil: Sie sparen somit automatisch und können das Geld nicht anderweitig ausgeben.

Info:

Die 5-Euro-Schein-Methode

Der bekannte Unternehmer Bodo Schäfer hat eine Methode entwickelt, die effektiv verdeutlicht, wie schnell aus kleinen Beträgen große Summen werden. Die sogenannte „5-Euro-Schein-Methode“ ist ideal für das Sparen im Alltag geeignet. Das Prinzip ist einfach: Begegnet Ihnen im Alltag eine solche Banknote, ziehen Sie diese direkt aus dem Verkehr und verwahren Sie sie in einer Spardose oder Geldkassette.

Legen Sie konsequent jeden 5-Euro-Schein zurück und vergessen Sie dessen Existenz. Einmal im Quartal werfen Sie einen Blick hinein und zahlen die Summe wahlweise auf dem Spar- oder Investitionskonto ein. Sie werden erstaunt sein, welche Summen zusammenkommen können, ohne dass Ihnen das Sparen im Alltag allzu sehr weh tut.

Kinderleicht gemanagte Finanzen: Sparpläne sind ideal

Sparpläne sind eine hervorragende Methode für die nachhaltige Geldanlage. Ob es sich dabei um Sparpläne für Sparkonten, Sparpläne in Form von Riester-Produkten, Bausparverträge, Goldsparen bzw. Aktien- oder ETF-Sparpläne handelt, spielt keine Rolle. Alle diese Pläne haben zwei große Vorteile.

Erstens, Sie können Ihre Geldanlage automatisieren. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr Vorhaben lange durchhalten und ans Ziel gelangen. Zweitens ermöglichen Sparpläne das Investieren bereits ab geringen monatlichen Beträgen. Häufig sind große Exchange Traded Funds (ETFs) bereits ab 50 Euro oder 25 Euro pro Monat besparbar. Damit ist das Investieren auch mit beschränktem finanziellen Spielraum kein Problem.

Speziell an der Börse wird dieser langfristige Sparplan-Ansatz zu Ihrem Vorteil. Immerhin gleichen Sie durch das regelmäßige Investieren mögliche Kursschwankungen aus und erzielen so langfristig die stabilere Rendite. Das haben Sie etlichen Anlegern voraus, die die besten Ein- und Ausstiegspunkte lieber selbst finden möchten.

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Die wichtigsten Grundregeln zum nachhaltigen Vermögensaufbau

Selbst die größte Motivation zum Geldanlegen nützt wenig, wenn dabei vermeidbare Fehler passieren oder Sie inkonsequent handeln. Daher haben wir für Sie die wichtigsten Finanztipps in Sachen Vermögensaufbau zusammengefasst:

  • Verteilen Sie Ihr Geld auf mehrere Anlageklassen wie zum Beispiel Tagesgeld, Aktien, Fonds, Gold, Anleihen und Co. Dadurch entsteht ein ausgeglichenes (diversifiziertes) Portfolio, das auch in Krisenzeiten stabiler ist.
  • Haben Sie beim Investment in Aktien, Fonds und ETFs einen langen Atem. Auch wenn die Kurse kurzfristig tief fallen können – über mehrere Jahrzehnte betrachtet kennen die Märkte nur eine Richtung – nach oben. Unabhängig vom Einstiegskurs hat beispielsweise jeder Anleger, der für mindestens 15 Jahre breit in den deutschen Aktienindex DAX investiert hat, einen Gewinn erzielt. Ein langer Anlagehorizont lohnt sich also.
  • Geld, das einmal investiert ist, bleibt investiert und wird nicht für den Konsum abgezogen. Ganz im Gegenteil: Reinvestieren Sie erzielte Erträge in Form von Kursgewinnen, Dividenden oder Zinsen. So nutzen Sie den Zinseszinseffekt langfristig am effektivsten aus. Letzterer macht über einen Anlagehorizont von mehreren Jahrzehnten hinweg im Übrigen beinahe 80 Prozent ihrer Rendite aus.
  • Einer der wichtigsten Finanztipps ist: Fangen Sie früh mit der Geldanlage und Altersvorsorge an. Für Frauen ist das noch wichtiger als Männer. Immerhin haben Sie statistisch gesehen eine um durchschnittlich fünf Jahre höhere Lebenserwartung. Zudem gilt: Je früher Sie anfangen, desto länger kann der Zinseszins laufen.
Tipp:

Wählen Sie nach Möglichkeit Finanzprodukte mit geringen Gebühren. Jedes Zehntelprozent, dass Sie weniger an jährlichen Gebühren zahlen, bringt Ihnen unter dem Strich eine höhere Rendite. Wie schon die alten Kaufleute zu sagen pflegten: „Der Gewinn liegt im Einkauf.“

  • Beachten Sie bitte, dass Anlageklassen mit hohen Renditeversprechen mit einem höheren Risiko verbunden sind. Anlageklassen wie zum Beispiel Sparbücher, Staatsanleihen oder Gold sind dagegen weniger risikobehaftet, versprechen im Gegenzug aber weniger Rendite.

Ausgaben beschränken, Einkommen erhöhen

Um überhaupt investieren zu können, benötigen Sie freie finanzielle Mittel. Dabei können wir alle von unseren Großmüttern lernen, auch wenn diese sicherlich nicht an der Börse investiert haben. Das gute alte Haushaltsbuch gibt Ihnen einen detaillierten Überblick über alle Ihre Einnahmen und Ausgaben. So ist es Ihnen problemlos möglich, versteckte Kosten zu entdecken und unnötige Ausgaben zugunsten Ihrer Vorsorge zu vermeiden.

Ausgaben zu beschränken ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite gilt es, das Einkommen zu erhöhen. Das gelingt etwa durch eine berufliche Neuorientierung, Weiterbildungen, die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit oder Gehaltsverhandlungen. Gerade hier stehen einige Arbeitnehmer jedoch vor Hürden.

Mit den folgenden Tipps erhöhen Sie Ihre Chancen bei Gehaltsverhandlungen.

Die perfekte Gehaltsverhandlung: Verhandlungstipps

  • Informieren Sie sich über Ihren Marktwert, sodass Sie mit einer konkreten Forderung in die Verhandlung gehen können.
  • Treten Sie selbstsicher und ohne falsche Bescheidenheit auf.
  • Nennen Sie in der Verhandlung das Gehalt eines Kollegen, der die gleiche Qualifikation, Erfahrung und Position hat.
  • Wichtig: Sie nennen die Summe, die Sie gerne verdienen möchten.
  • Nennen Sie keine glatten Zahlen, sondern ruhig einen Bruttobetrag. Dieser sollte unter dem Strich Ihrem gewünschten Netto entsprechen. Das signalisiert strategisches Denken.
  • Nehmen Sie bei den Verhandlungen auf jeden Fall eine Summe ins Visier, die höher ist, als sie wirklich haben möchten. Behalten Sie jedoch Augenmaß.
  • Lehnen Sie das erste Lohnangebot immer ab. Selbst dann, wenn es Ihnen nicht zu wenig ist. Das öffnet die Tür für Verhandlungen.
  • Verwenden Sie die Vokabel „Gehaltsanpassung“ statt „Gehaltserhöhung“. Das setzt den Verhandlungspartner unter Druck und klingt obendrein charmanter.

Starten Sie in die finanzielle Unabhängigkeit

Finanzen sind für alle Menschen wichtig. Also starten Sie und nutzen Sie Ihren Anlagehorizont optimal aus, um die Rentenlücke zu schließen.