Altersarmut: Ursachen und Tipps zur Vorsorge

Finanziell sorglos im Alter

Der andauernde demografische Wandel, niedrige Zinssätze und eine tiefgreifende Veränderung der Arbeitswelt sorgen dafür, dass vielen Senioren ihr gesetzlicher Rentenanspruch nicht mehr ausreicht. Der Generationenvertrag ist nicht mehr nachhaltig ausbalanciert. Deshalb sind reformpolitische Maßnahmen und wirkungsvolle Strategien von Privatpersonen nötig, um auch im Alter finanziell solide aufgestellt zu sein. Wer besonders von Altersarmut bedroht ist und wie Sie für Ihre Zukunft vorsorgen können, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Aufgrund der Vielschichtigkeit des Armutsbegriffes ist es schwierig, zu sagen, wie viele Menschen davon betroffen sind. Deshalb soll hier zunächst erklärt werden, wie Altersarmut definiert ist:

Wichtig:

Dank der seit 2005 als Sozialleistung bestehenden Grundsicherung ist absolute Armut im Alter, sprich ein Leben unter dem Existenzminimum, in Deutschland nahezu ausgeschlossen Jedoch ist unsere Gesellschaft sehr wohlhabend. Deshalb handelt es sich bei Altersarmut vielmehr um ein relatives Problem.

Es stellt sich daher die Frage, bei welcher Unterschreitung des durchschnittlichen Lebensstandards eine Teilhabe an der Gesellschaft nicht mehr gewährleistet werden kann. Man spricht von relativer Armut, wenn das monatliche Pro-Kopf-Einkommen weniger als 60 Prozent des bundesweiten Medians entspricht. Nach dieser Definition kommt das Statistische Bundesamt auf eine Armutsrisikoquote von 14,6 Prozent bei über 65-jährigen. Damit ist beinahe jede sechste Person aus dieser Altersgruppe zumindest von relativer Armut bedroht.

Altersarmut in Deutschland: Ursachen im Überblick

Dass die gesetzliche Rentenauszahlung für Senioren immer häufiger nicht mehr zum Leben ausreicht, hat gesellschaftliche und wirtschaftliche Ursachen. Das Rentensystem der Bundesrepublik basiert auf dem Prinzip des Generationenvertrags. Das bedeutet, dass die junge, arbeitende Bevölkerung durch Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung die Existenz alter Menschen sichert.

Dieses ursprünglich gut funktionierende und ausbalancierte System droht nun jedoch aufgrund des demografischen Wandels unzeitgemäß zu werden. So werden die geburtenschwachen Jahrgänge der 2000er Jahre in Zukunft die verhältnismäßig viel größere Gruppe der Rentner aus geburtenstarken Generationen wie etwa der Baby Boom Generation finanzieren müssen. Um einen Zusammenbruch des aktuellen, auf dem Generationenvertrag basierenden Rentensystems zu verhindern, muss die Politik die Rentensätze Schritt für Schritt sinken lassen – daraus resultiert ein erhöhtes Armutsrisiko bei über 65-jährigen.

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Ein weiterer Grund für fehlende Absicherung im Alter ist die seit vielen Jahren vorherrschende Niedrigzinspolitik. Während in Phasen höherer Zinsen das Bilden von Rücklagen und Sparkonten besonders attraktiv war, macht das konventionelle Geldanlegen beim aktuell sehr niedrigen Zinssatz wenig Sinn. Zusätzlich verliert das Geld im Zusammenhang mit der Inflation zunehmend an Wert. Alternativen Vorsorgemethoden wie beispielsweise der Anlage in Aktien stehen viele Menschen aufgrund des vorhandenen Risikos hingegen skeptisch gegenüber. In Kombination mit den kontinuierlich steigenden Lebenshaltungskosten für Mieten und Nahrungsmittel verschärft sich dadurch die Lage vieler Senioren drastisch.

Welche Bevölkerungsgruppen sind besonders armutsgefährdet?

Schaut man sich die Zusammensetzung der Gruppe der besonders von Altersarmut bedrohten Rentnern einmal genauer an, fallen einige wiederkehrende Teilgruppen auf:

  • Langzeitarbeitslose, die während ihrer Arbeitslosigkeit keine Rentenansprüche erhalten
  • Menschen, die im Niedrig- und Mindestlohn-Sektor beschäftigt sind und dementsprechend wenig in die Rentenversicherung eingezahlt haben
  • kleine Selbstständige, die eine passende private Absicherung für die Zukunft versäumt haben
  • Menschen, die ihre Berufstätigkeit aufgrund von physischen oder psychischen Erkrankungen vorzeitig niederlegen mussten
  • verhältnismäßig mehr Frauen als Männer, da diese durchschnittlich schlechter bezahlt werden und häufiger in Teilzeit arbeiten

Gender Pay Gap und Teilzeit-Jobs: Wieso Rentnerinnen besonders armutsgefährdet sind

Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zeigen eindeutig, dass Frauen mit einem Anteil von insgesamt 20 Prozent häufiger von Armut im Alter betroffen sind als männliche Rentner, bei denen der Anteil bei etwa 15 Prozent liegt. Auch die Leistung der Grundsicherung wird etwas häufiger von Seniorinnen in Anspruch genommen.

Wichtig:

Dieser deutliche Unterschied entsteht nicht zufällig, schließlich unterscheidet sich auch die Berufslaufbahn der Durchschnittsfrau von der des durchschnittlichen Mannes. So macht der Gender Pay Gap auf ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle von 18 Prozent aufmerksam. Vergleicht man die Durchschnittsgehälter in gleichen Berufen, beträgt der sogenannte bereinigte Verdienstunterschied immerhin noch 6 Prozent.

Oft müssen Frauen zudem aus Gründen der Schwangerschaft oder Kindererziehung ihre berufliche Laufbahn vernachlässigen oder gar unterbrechen, zudem sind sie statistisch gesehen häufiger in Teilzeit beschäftigt. All das sind Faktoren, die den späteren Rentenanspruch deutlich schmälern können und zur Entstehung von Altersarmut beitragen.

Knappe Arbeitsplätze und Erkrankungen: Risikofaktoren für Armut im Alter

Ebenfalls stark gefährdet sind Personen, die in ihrer beruflichen Laufbahn im Niedriglohnsektor beschäftigt waren. Selbst Menschen, die über mehrere Jahrzehnte durchgehend einer bezahlten Arbeit nachgegangen sind, konnten aufgrund ihres geringen Verdienstes nur sehr niedrige Beiträge in eine gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass ein gesetzlicher Mindestlohn erst in den letzten Jahren eingeführt wurde.

Nicht zuletzt verringert zeitweise Arbeitslosigkeit die Wahrscheinlichkeit, finanziell sorgenfrei durch das Alter zu kommen. Auch die Berufsunfähigkeit aufgrund physischer Erkrankungen sowie ein vorzeitiger Renteneintritt aufgrund von psychischen Beschwerden verringert die Einzahlungsdauer eines Arbeitnehmers drastisch.

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Die erwartete Entwicklung, dass in Zukunft immer mehr Routinearbeiten im Zuge der Digitalisierung von Robotern und künstlicher Intelligenz übernommen werden, zeigt eine weitere Problematik auf. Durch den dadurch entstehenden Mangel an bezahlten Arbeitsplätzen könnte es dazu kommen, dass immer weniger Menschen die Möglichkeit erhalten, auf gesetzlichem Wege eine Vorsorge für das Rentenalter zu schaffen.

Die Grundsicherung: Finanzielle Hilfen für Bedürftige

Die Sozialleistung der sogenannten Grundsicherung greift dann, wenn das gesetzliche Renteneinkommen und die private Vorsorge nicht mehr ausreichen, um einen gewissen Lebensstandard aufrecht zu erhalten. In den meisten Fällen funktioniert die Sozialleistung in Form einer Aufstockung, die die Differenz zwischen tatsächlichem Einkommen sowie einem festgelegten Grenzwert umfasst. Dieser ist abhängig von verschiedenen Faktoren, wie etwa dem Familienstand oder den üblichen Wohnungskosten in der Region.

Darüber hinaus besteht erst ein Anspruch auf die einkommensbedingte Leistung, wenn die betroffene Person kein verwertbares Vermögen in Form von Ersparnissen oder besonderen Wertgegenständen mehr vorweisen kann. Sie dient also als letzter rettender Strohhalm, der verarmten Senioren immerhin einen Lebensstandard über dem Existenzminimum garantiert.

Etwa 500.000 Senioren nehmen zurzeit eine grundlegende Sicherungsleistung in Anspruch, die potenzielle Zahl der Bedürftigen scheint jedoch deutlich höher zu sein. Oft wissen Betroffene nicht genau, ob sie für den Erhalt der staatlichen Unterstützung qualifiziert sind. Andere nehmen die Leistung trotz Kenntnis aus Schamgefühl nicht in Anspruch.

Die perfekte Altersvorsorge: Tipps für Privatpersonen

Da die gesetzlichen Rentenleistungen immer seltener ausreichen, um die Bedürfnisse von Senioren zu decken, rücken zusätzliche Methoden der Altersvorsorge verstärkt in den Fokus. Dabei lohnt es sich, die unterschiedlichen Möglichkeiten schon frühzeitig zu entdecken. So können Sie einen Plan entwickeln, um Ihre Absicherung durch die gesetzliche Rente gezielt zu verstärken.

Ihre möglichen Wege, einer Altersarmut effektiv vorzubeugen, reichen dabei von betrieblichen Vorsorgen, bei denen Ihr Arbeitgeber einen Teil des Gehalts zurückerhält und fachgerecht anlegt, bis hin zu privaten und eigenverantwortlichen Methoden.

Hierzu zählen nicht nur Bankensparpläne, bei denen Sie ein bestimmtes Startkapital mit einem festen Zinssatz anlegen, sondern auch Investitionen in Immobilien, Aktien sowie Wertpapiere. Auch staatliche Rentenmodelle wie die Riester-Rente oder die Rürup-Rente sind beliebt, wenn es um eine sichere und bewährte Vorsorgemethode geht.

Info:

Tipp: Welche Option der Altersvorsorge für Sie am besten geeignet ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn dabei spielen Faktoren wie das Gehalt, der berufliche Status sowie die Familiensituation eine entscheidende Rolle. Während sich beispielsweise die betriebliche Altersvorsorge ausschließlich an Arbeitnehmer richtet, kann die Riester-Rente besonders für Familien profitabel sein.

Um auch nach der Berufstätigkeit ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben führen zu können, benötigen Sie selbstverständlich nicht jede dieser Methoden. Vielmehr sollten Sie die passenden Möglichkeiten je nach Einkommen, beruflicher Stellung, Familienstand und anderen Aspekten auswählen, um zukünftig bestmöglich finanziell aufgestellt zu sein.

Nachfolgend erhalten Sie einen Überblick über die beliebtesten Vorsorge- und Anlagemethoden sowie die Bevölkerungsgruppen, die in besonderem Maße von ihnen profitieren können:

  • Rürup- und Basisrente: für Selbstständige und Besserverdiener
  • Riester-Rente: Zulagen mit monatlicher Auszahlung für jeden mit einem zu versteuernden Einkommen, kann für Familien und Geringverdiener besonders profitabel sein
  • betriebliche Alters-Vorsorge: geeignet für Angestellte, die gegebenenfalls auch bezuschusst werden
  • Bankensparplan
  • private Vorsorge mit Immobilien
  • private Vorsorge mit Aktien und ETFs: nur als langfristige Lösung sicher, erfordert einen gewissen Sachverstand und Risikobereitschaft